| Im Rahmen ihrer Jungenarbeit veranstalteten das Kinder- und Jugendzentrum Biebrich und das Gemeinschaftszentrum Schelmengraben vom 23. Mai bis zum 27. Mai 2001 ein Projekt mit Jungen. Die Teilnehmer waren zwischen 9 und 13 Jahren alt und waren Besucher der Jungengruppen des jeweiligen Zentrums. Es nahmen 5 Jungen aus Biebrich und 6 Jungen aus dem Schelmengraben teil. Die Kooperationsveranstaltung fand in Bechersheim / Gangloff in der Pfalz statt. Das Projekt wurde von den beteiligten Sozialarbeitern, Wolfgang Rohr und Nedim Tuyun (Biebrich) und Jörg Rudolph (Schelmengraben), intensiv vorbereitet. Im Unterschied zu einer normalen Freizeit wurden der Tagesablauf straff organisiert, d.h. jede Aktion war geplant und Teil eines Gesamtkonzeptes. Ziel und Höhepunkt des Projekts wurden die "Bewegenden Geschichten" am letzten Abend. Hintergründe zum Jungenthema
Angst: Aufgrund von Rollenerwartungen ("Ein
Junge zeigt keine Angst") in der heutigen Lebenswelt
von Jungen werden eigene Ängste nicht artikuliert
sondern oft auf konfliktträchtige und aggressive Art
ausreagiert. Jungen werden zwar in vielen Bereichen mit
Ängsten konfrontiert (Elternhaus, Mädchen, Ältere,
Erwachsene wie Lehrer und Nachbarn), sie sprechen aber
auch in guten Freundschaften nicht darüber sondern
versuchen sich gegenseitig etwas vorzumachen.
"Das Seminar
sollte es den Jungen ermöglichen, an Erlebnissen
orientiert, alternative Reaktionen auf wahrgenommene
Angst kennenzulernen und auszuprobieren. Solidarisches
Handeln, Vertrauen und Intimität, sowie die Benennung
dieses Gefühlszustandes (das ist erlaubt!) wurden als
soche Handlungsalternativen diskutiert." (aus
"Jungen in Bewegung Konzept der Jungenarbeit
in Wiesbaden", S. 45). Wir näherten uns dem Thema
auf spielerische Art und Weise, zeigten einen Film der
zum Thema passt und näherten uns dem Thema in
Gesprächsrunden.
"Pädagogisches"
Programm:
Zum hier aufgeführten
"pädagogischen" Programm gehören zum einen
die speziellen Angebote, aber auch in Freizeiten
üblichen normalen Programmpunkte die natürlich immer
pädagogisch unterlegt sind (Küchendienste, gemeinsames
Essen, usw.). Der Ablauf des Seminars ist chronologisch
aufgeführt:
Orientierung und erstes
Kennenlernen (Mi, 17.00 Uhr):
Das erste gemeinsame Treffen der beiden Jungengruppen
wurde notwendig, um die Schlafplätze im gemeinsamen
Schlafraum zu verteilen. Danach erkundeten die Jungen die
nähere Umgebung und das Haus, im Anschluss gab es ein
erstes gemeinsames Treffen im Gruppenraum:
- Wir hängten eine
Wandzeitung auf (was finde ich gut, finde ich
nicht gut),
- Einen Ablaufplan
über das Projekt aber ohne genaue beschreibung
der einzelnen Aktionen (Action),
- Auf einer
gezeichneten Landkarte verdeutlichten wir den
Jungen wo wir uns überhaupt befinden,
- Und erläuterten
verschiedene Hausregeln: Nachtruhe ist um 23.00
Uhr und immer gilt "Wer schlafen will muss
schlafen können", Notausgänge dürfen nur
im Notfall benutzt werden, vor 8.00 Uhr hat
niemand etwas bei den Betreuern verloren, ihr
dürft in dreier-Gruppen in die Stadt gehen, wir
essen gemeinsam, keiner steht auf bevor wir
fertig sind.....
Weiter ging es mit zwei
Spielen.
Kennenlernen: Raum
zuteilen - alle die zwei oder mehr Geschwister haben
kommen in meine Ecke, einen Bruder und eine Schwester,
Computer, Haustiere, .....
Kennenlernen: Partnerinterview - die Jungs werden
in zweier Gruppen aufgeteilt und interviewen sich
gegenseitig, der eine muss den anderen Jungen vor der
Gruppe vorstellen so als wenn er es selbst wäre.
Küchendienste:
Der Küchendienst, der für den jeweiligen Tag
eingeteilt war, bereitete mit einem Teamer die Mahlzeiten
vor. Tischdecken, Kochen, Tee machen, abräumen usw.
Anwesenheit war Pflicht, wenn auch schwierig
durchzusetzen. Der Küchendienst war nach dem Essen fürs
aufräumen zuständig.
Gemeinsame Mahlzeiten:
Wir legten sehr viel Wert darauf, dass alle Jungen
gemeinsam aßen und sie sich erst vom Tisch entfernen
durften, wenn alle fertig waren. Das Essen war gut und
abwechslungsreich, die eingekauften Nahrungsmittel von
ausgesuchter Qualität, d.h. die Kinder konnten z.B.
Käsesorten probieren, die sie niemals davor gegessen
hatten. Die gemeinsame Essenszeiten dienten auch dazu,
verschiedene Aktionen vorzubereiten, so die
Nachtwanderung oder die Punkteregelung, die zum
Feuerspucken hinführen sollte. Das Essen gab dem Tag
Regelmässigkeit und war Treffpunkt für alle.
Championsleague
Endspiel Bayern München FC Valencia (Mi, ab 21.30
Uhr):
Für den ersten Abend war als Programmpunkt
eigentlich die Nachtwanderung geplant. Um den
Bedürfnissen der Jungen entgegenzukommen, entschlossen
wir uns kurzfristig zusammen das Fussballspiel
anzuschauen. Die Hälfte der Jungen schaute fern, der
Rest vergnügte sich andersweitig.
Gute-Nacht-Geschichte
als Fortsetzungsroman (täglich vor der Nachtruhe):
Als kleines Einschlafritual begannen wir schon am
ersten Abend den Jungen vorm schlafen eine Geschichte zu
erzählen. Alle legten sich in ihre Betten und machten es
sich gemütlich. Das Licht ging aus und Wolfgang las mit
einer kleinen Taschenlampe die Geschichte vor. In den
ersten Nächten war es noch schwierig die nötige Ruhe
herzustellen, am letzten Abend waren fast alle Jungen vor
dem Ende der Geschichte eingeschlafen.
Wecken mit Vivaldi
(tägl. um 8.30 Uhr):
Wir haben die Jungen an jedem Morgen um 08.30 Uhr mit
einem Kassettenrecorder und den "Vier
Jahreszeiten" von Vivaldi geweckt. An jedem Morgen
mit einer anderen Jahreszeit. Beim Frühstück versuchten
wir von den Jungen zu erfahren, inwieweit sie die
Jahreszeiten unterscheiden können. In jedem Fall war
diese Musik für viele der Jungen ein neues Erlebnis.
Gruppenspiele zum
Thema Angst (Do, 10.00 Uhr):
Die erste Action des Tages waren Gruppenspiele zum
Thema Angst. Sollte sich kennenlernen.
"Geschlossene
Augen": Die Jungen suchten bekamen von uns einen
Partner zugewiesen, verbandem diesem die Augen und
begaben sich zu zweit nach draußen. An der Hand führte
der Sehende den Blinden durch die Natur in der Nähe des
Hauses. Nach einer Weile wurde gewechselt. Bedingung:
Ruhe, keine Unterhaltung.
"Seilführung":
Wieder im Gruppenraum verbanden wir allen Jungen die
Augen, setzten sie in eine Ecke des Raumes und bauten
einen Hindernisparcour auf, durch, über und unter dem
sie an einem Seil entlang blind von einem zum anderen
Ende laufen und krabbeln mussten.
"Tagebuch":
"Wer von Euch hat schon mal Tagebuch
geschrieben?". Auf diese Frage antworteten
überraschend viele mit "ich". Wir teilten
jedem Jungen ein leeres Buch aus und gaben Ihnen Zeit es
zu gestalten sowie erste Gedanken aufzuschreiben. Es
machte den Jungen Spass.
Feuerspucken (täglich und
Abschluss):
Da die Jungen zu Beginn des Projekts nur sehr schwer
davon abzubringen waren, sich gegenseitig mit den
allerschlimmsten Beleidigungen zu titulieren, versuchten
wir die Jungen mit der Aussicht auf eine
Feuerspuck-Aktion davon abzubringen. Alle Jungen als
Gruppe bekamen zu diesem Zeitpunkt 10 Punkte. Wenn nach
dem Abendessen am Samstag Abend mindestens ein Punkt
übrig bleiben sollte, würden wir mit den Jungs Feuer
spucken. Jedes mal wenn einer der Jungen ein Schimpfwort
zum besten gab und wir hörten es, gab es einen
Punktabzug.
Nachdem am Samstag Abend
wirklich nur noch ein Punkt übrig war, ohne dass wir
allzusehr die Augen zugedrückt hätten, konnte die
Aktion stattfinden. Mit zwei Fackeln, gereinigtem Benzin
und besonderen Sporen (Konsistenz wie Mehl) aus der
Apotheke konnte jeder Junge einmal Feuerspucker sein. Die
Aktion war sehr spektakulär, etwas besonderes. Die
Jungen wurden fotografiert, die Bilder schauten wir uns
am späteren Abend im TV an.
Es war während der 5
Tage sehr klar zu beobachten wie motiviert die Jungs
waren, keine Schimpfwörter zu sagen bzw. Wörter die
Ihnen schon auf der Zunge lagen wieder runterzu
schlucken. Die Aktion war ein Erfolg.
Gemeinsames Erleben
(Do, 14.30 Uhr):
Weiter ging es mit verschiedenen Gruppenspielen, bei
denen es um gemeinsames Handeln und sich
"aufeinander verlassen können" ankam:
"Stern":
Die Jungen stellen sich im Kreis auf, eng beieinander und
Schulter an Schulter, Arme in die Mitte des Kreises
ausgestreckt. In der Mitte steht ein Junge, macht den
Körper kerzengerade und steif, und läßt sich fallen.
Die anderen Jungen federn seine Fall ab und stoßen ihn
sanft zurück in den Kreis.
"Förderband":
Alle Jungen bis auf einen stellen sich zu zweit
gegenüber und fassen sich an den Händen (gekreuzt und
fest), ein Junge springt mit Anlauf in das gebildete Bett
und wird von den Jungen langsam nach vorne geworfen, bis
er wieder zum stehen kommt. Hier wird viel vertrauen
benötigt.
"Sieben":
Zum Abschluss ein keines Spiel zum beruhigen. Die Jungen
müssen alle bis Sieben zählen, aber eine Zahl darf
immer nur von einem Jungen gleichzeitig ausgesprochen
werden. Wenn also zwei Jungen gleichzeitig drei sagen,
beginnt alles von vorne. Voraussetzung: die Jungen
müssen sich beruhigen, und dürfen nicht zu schnell
sein. Sie haben es knapp nicht geschafft.
Bogen bauen (Do, 16.30 Uhr):
Gemeinsam als Gruppe begaben wir uns auf die Suche
nach geeigneten Stöcken, aus denen die Jungen
funktionierende Bogen herstellen konnten. Wir fanden nach
einer kleinen Wanderung geeignete Hölzer und machten uns
ans sägen und schnitzen. Da die Jungen für diese Aktion
ihre Taschenmesser mitbringen sollten und sie diese
endlich benutzen durften (die Messer haben wir am ersten
Abend eingesammelt), waren alle begeistert. Leider erwies
sich die mitgebrachte Bogenschnur als zu dünn um die
Bögen zu spannen. Viele zerrissen sofort. So war es erst
möglich die Bögen am nächsten Tag fertig zu bauen
(nach Einkauf in Meisenheim) um mit den Jungen
anschliessend auf Zielscheiben aus Pappe den Bogen und
die Geschicklichkeit der Jungen zu testen. Die Umgebung
mit den vielen Feldern eignete sich dazu hervorragend.
Die Jungen konnten die Bogen mit nach Hause nehmen.
Film: "Stand by
me Das Geheimnis eines Sommers" (Do, 20.00
Uhr):
Der amerikanische Abenteuerfilm erzählt die
Geschichte von vier Jungen (ca. 13 Jahre alt), die
ausziehen um eine Leiche zu finden. Sehr schön. Leider
hatten ihn einige der Jungen schon gesehen.
Nachdem die erste Nacht
für viele der Jungen recht kurz war, schlief einer
während des Filmes mehrmals ein. Dies ließen wir nicht
zu und weckten ihn mehrmals (auch mit Wasser). Nachdem
viele der anderen Jungen das ziemlich witzig fanden,
machten wir den Jungen in einer Ansprache (sehr ernst,
sehr laut) klar und deutlich, dass wir es durchaus
tolerieren, wenn sie Nachts ihren Spass haben und nicht
schlafen, dass wir von ihnen aber erwarten, das sie am
nächsten Tag am Programm teilnehmen.
An diesem Abend haben
alle Jungen schnell geschlafen.
Rollenspiel zum Thema
Angst (Fr, 10.00 Uhr):
Nachdem die Teamer eine vorher besprochene Szene
vorgespielt hatten (4 Jungs wollen Klettern gehen, einer
bekommt auf einmal Bauchschmerzen und kann nicht den Berg
hoch Angst) haben wir die Jungs in drei Gruppen
aufgeteilt und mit Ihnen zusammen ein eigenes kleines
Stück einstudiert (ca. 30 min). Wieder zusammen im
Gruppenraum haben die Jungs die einzelnen Stücke
vorgespielt, sie wurden dabei auf Video aufgezeichnet.
Geschichte 1: Drei
Jungen nehmen einem anderen die Mütze ab und spielen
damit, der Junge ohne Mütze fängt an zu weinen.
Geschichte 2: Ein
kleiner Junge wird an der Bushaltestelle von zwei grossen
geschlagen und beklaut wehrt sich aber.
Geschichte 3: Zwei
Jungen lassen zwei andere nicht durch ein Tor passieren,
nachdem sie den schwächeren Kloppe angedroht haben,
hauen diese ab.
Im Anschluss an das
Rollenspiel hatten die Jungen Zeit, in ihr Tagebuch zu
schreiben.
Ausflug nach
Meisenheim (Fr, 14.00 Uhr):
Auf Wunsch der Jungen und um weitere Nahrungsmittel
einzukaufen, änderten wir unser Programm und fuhren nach
Meisenheim (ca. 30 Minuten entfernt). Wir vereinbarten in
der Stadt einen Treffpunkt und trennten uns von den
Jungen. Diese liefen in zwei Gruppen alleine durch die
Strassen der Stadt. Eine Intervention wurde nötig,
nachdem einer der Jungen in einem Geschäft die
Verkäuferin angepöbelt hat.
Im Anschluss haben die
Jungen in einem Supermarkt ihre Vorräte an
Nahrungsmittel aufgestockt und wir für die Mahlzeiten
eingekauft.
Konfliktrunde (Fr, 20.00 Uhr):
Aus aktuellem Anlass wurde es nötig, den gemeinsamen
Abend miteiner Konfliktrunde zu eröffnen. Zwei der
Jungen hatten über den Tag Streit miteinander, der ohne
Intervention nicht lösbar schien. D.h. alle Jungen
setzten sich auf Stühlen in den Kreis und die
Streithähne erzählten nacheinander ihre Geschichte.
Danach hatten die anderen Gelegenheit ihren Beitrag zu
leisten. Da wir zu keinem Ergebnis kamen, endete die
Runde mit der Bitte von uns, das die Jungen nacheinander
und ohne von den anderen Unterbrochen werden, etwas
sagen, was sie selbst am nächsten Tag besser machen
wollen (schau dich selbst an und kritisiere nicht nur den
anderen).
Im Anschluss schauten wir
uns die Videos der Rollenspiele vom Vormittag an sowie
die Bilder der letzten Tage, die mit der Digitalkamera
fotografiert worden waren.
Nachtwanderung mit
Gruselgeschichte (Fr, ab Dunkelheit):
Wolfgang und Nedim haben vor dem Abend essen die
Geschichte vorbereitet. Mit Angst erzählten sie schon
während des Abendessens von der Story des Imkers mit dem
abgeschnittenen Finger. Einem Vorfahren wurde vor
Ewigkeiten fälschlicherweise ein Finger abgehackt und
unter bestimmten voraussetzungen kann man diesen Finger
heute noch ab und zu im Wald auftauchen sehen. "Aber
ob wir Euch diese Geschichte überhaupt erzählen
können, erfahrt ihr erst nach einer
Teambesprechung", (Nedim zitterte während des
Abendessens, dies wurde von den Jungen auch wahrgenommen
aber nicht angesprochen).
Die geheimnisumwitterte
Nachtwanderung bestand dann aus drei Prüfungen, die die
Jungen bestehen mussten, um den Finger zu sehen.
- Leise sein, nur
flüstern bis zum Punkt X,
- In zweier Teams eine
bestimmte Strecke im Wald ablaufen, in der es
total dunkel war, laufen von Kerze zu Kerze bis
zum Ende und dann ganz leise sein. Prüfung war
bestanden als Jens, der die Kerzen als letzter
einsammelte, ohne was zu merken an uns anderen
vorbei gelaufen war.
- Nach einer kleinen
Wanderung zum Imkerhaus mussten die Jung´s sich
hinsetzen und ein bestimmtes Ritual absolvieren
(Summ, summ, summ, nach unten schauen, leise
sein....)
Nun, wie nicht anders
erwartet, zeigte sich der Finger und verschwand nach
kurzer Zeit wieder. (Wolfgang und Nedim haben eine
Vorrichtung arrangiert, mit der sie über eine
durchsichtige Schnur einen am Nachmittag aktivierten
Leuchtstab in ca. 50 m Entfernung aus dem Boden ziehen,
ihn bewegen und dann wieder verschwinden lassen konnten.)
Die Jungs waren teilweise
verängstigt, teilweise tief betroffen oder mussten
pinkeln. Einige dachten sie wüssten was passiert war,
aber Abmachung war im Vorfeld niemandem zu verraten, was
man da gesehen hat. Auch wir erzählten im Anschluss an
die Nachtwanderung nichts mehr zu der Geschichte. Gut.
Auch heute Nacht,
zusammengeschweißt durch das gemeinsam erlebte, haben
die Jungs gut geschlafen.
Traumreise (Sa, 10.00 Uhr):
Die Jungen sollten sich auf ISO-Matten legen und es
sich bequem machen. Sie bekamen die Augen zugebunden.
Nachdem eine besondere Entspannungsmusik lief, begannen
wir eine Geschichte zu erzählen, die bei den Jungen
viele verschiedene Bilder im Kopf entstehen lässt.
Im Anschluss bildeten die
Jungen zweierPaare bekamen jeweils einen Igel-Ball und
massierten sich gegenseitig. Die Bälle verhinderten die
direkte Berührung der Jungen und ermöglichte es ihnen
so sich gegenseitig zu massieren. Wir achteten darauf,
das die Jungen dies langsam und vorsichtig taten.
"Das finde ich
gut an Dir...." (Sa, 11.30 Uhr):
Eine weitere Runde im Stuhlkreis: Die Jungen bekamen
Schilder aus Papier, auf die sie ihren Namen schreiben
und das Schild an ihrem Stuhl befestigten. Die Aufgabe
bestand darin, auf Karten positive Eigenschaften über
die anderen Jungen aufzuschreiben (guter Freund, schöne
Augen, guter Fussballspieler, Kumpel, usw.) und die
Karten dann auf den entsprechenden Stuhl zu legen. Wir
Betreuer beteiligten uns ebenfalls am Schreiben und
achteten darauf, das wirklich auf jedem Stuhl Karten
gelegt wurden. Im Anschluss setzten sich die Jungen und
wir lasen der Reihe nach die Karten vor.
Sie warteten gespannt und
konzentriert und freuten sich sichtlich positives über
sich zu hören. Einer der Betreuer schrieb die positiven
Eigenschaften auf um sie später den Jungen für ihr
Tagebuch mitzugeben. Eine andere Möglichkeit die Karten
zu verarbeiten, die wir aus Zeitmangel nicht mehr
verwirklichen konnten, wäre das rituelle verbrennen der
ganzen positiven Eigenschaften in einem grossen Feuer
(mit einer Geschichte: Die Indianer glauben das alles was
verbrannt wird in den heiligen Geist eingeht und es so
alle irgendwie mitbekommen...).
Schatzsuche (Sa, 16.30 Uhr):
Während die Jungen mit Wolfgang und Nedim die Bögen
ausprobierten, bereitete Jörg die Schatzsuche vor. Mit
dem Schatz (einer Kiste mit Süßigkeiten, schwer
verpackt) und Kreide wurden Pfeile auf die Stasse gemalt,
Hinweise auf kleine Zettel geschrieben die zum nächsten
Zeichen führten und am Ende die Kiste versteckt. Die
Hinweise wurden im Gruppenraum versteckt und mussten zu
beginn der Aktion von allen Jungen gesucht und gemeinsam
zur Schatzkarte zusammengelegt werden. Die anschliessende
Suche führte die Jungen wiedermal in die Natur, in eine
Richtung in der sie in den vergangenen Tagen nicht
gewesen waren.
Grillen mit
Lagerfeuer, (Sa, Abendessen):
Das letzte Abendessen fand bei schönem Wetter im
Garten des Hauses statt. Ein kleines Buffet und das
Lagerfeuer waren ein würdiges letztes warmes Essen. Wir
saßen lange ums Feuer und unterhielten uns. Das kokeln
mit Stöcken im Feuer macht immer Spass und so war es
auch an diesem Abend.
Bewegende Geschichten
(Sa, 22.00 Uhr):
Für uns Pädagogen war dies sicherlich der
Höhepunkt des Projekts, auf den viele der anderen
Aktionen hinausliefen.
Draussen war es dunkel,
die Nacht war da. Wir setzten uns in einem Kreis, in der
Mitte standen einige Grablichter und ermöglichten es uns
und den Jungen die anderen zu sehen. Es war still und
Wolfgang und Nedim eröffneten den Abend mit einer
Einführung: "Ihr habt sicherlich gemerkt, dass wir
in den letzten Tagen viele verschiedene und besondere
Aktionen mit Euch gemacht haben.Diese letzten Tage waren
wie eine Prüfung für den heutigen Abend. Ihr werdet
Geschichten erzählen, die euch bewegt haben, traurige
Geschichten, die ihr immer schon mal erzählen wolltet.
Es wird heute niemand lachen und ihr werdet alles was ihr
heute hört niemandem weitererzählen." So oder so
ähnlich ging es also los und ob alles wirklich klappen
würde war nach den letzten Tagen nicht so klar wie es
wohl sonst der Fall war. Wir selbst beteiligten uns auch
mit einer eigenen Geschichte, die auch uns Betreuer für
kurze Zeit in den Mittelpunkt stellen soll, uns
menschlich und angreifbar, aber auch authentisch macht.
Mensch und nicht Sozialarbeiter.
Die Jungen begannen nach einander in einer
fast unglaublichen Dynamik ihre persönlichen Dramen zu
erzählen, sie weinten, wurden getröstet, waren
erleichtert, bewegt, betroffen, fanden Freunde und
Vertrauen, wuchsen zu einer Gruppe zusammen die etwas
hatte was alle verband. Die einzelnen Geschichten waren
teilweise so tragisch, das viele Verhaltensweisen und
Auffälligkeiten der Jungen in anderem Licht erschienen.
Das Spektrum der inneren Verletzungen, die die Jungen mit
sich herumtragen, reichte von Schuld am Tod von
Geschwistern, elterlicher Gewalt, Tod von nahen
Angehörigen oder der Angst vor Entführung.
Unsere Aufgabe war es an
diesem Abend zu beginnen, anzuregen, zu erzählen. Wir
trösteten auch, zeigten Verständnis, aber wir
versuchten nicht die Probleme zu lösen oder
wieiterführende Massnahmen zu veranlassen. Der Abend war
keine Therapiegruppe, wir zeigten "nur"
menschliches Mitgefühl und Verständnis. Die Gruppe
reguliert sich in ihrem "tun" selbst. Die
Befürchtung, dass der Abend ausser Kontrolle gerät,
weil wir für solcherlei Arbeit nicht ausreichend
ausgebildet sind, scheint die Erfahrung der beiden
Kollegen aus Biebrich zu widerlegen. Die Jungen, die in
den vergangenen Jahren an ähnlichen Projekten
teilgenommen haben und diese teilweise wiederholten,
haben nie über Nachteile berichtet. Aber wovon sie
vielleicht das erste mal den Eindruck bekommen haben, war
sicherlich, dass es auch für Jungen möglich ist anderen
Jungen von eigenen Problemen zu berichten, das es nichts
schlimmes ist vor anderen zu weinen oder einen Freund in
den Arm zu nehmen.
benötigtes Material:
Die genaue
Planung und Organisation der vielen verschiedenen
Aktionen machte es nötig, viele unterschiedliche Dinge
mitzunehmen. Dies waren teilweise Gegenstände, die eine
besondere Erfahrung im Umgang voraussetzten und
sicherlich nicht überall vorhanden sind. Eine genaue
Planung und die Sicherheit an alles gedacht zu haben, war
wichtig für einen reibungslosen Ablauf des Projekts. Zu
den mitgenommenen Sachen gehörten:
- Videofilm
"Stand by Me", Vidiorecorder
vor Ort
- Walkie
Talkies für die Kommunikation zwischen
den Bussen
- Pfeile,
Schnur und Zielscheibe fürs
Bogenschießen
- Stifte und
Karten zum beschreiben (Kartenabfragen)
- Tagebücher
(16 Stück)
- Augenbinden
- Ein Seil
(Seilführung)
- Süßigkeiten
für den Schatz und Schatzkiste
(Schatzsuche)
- 2 Kleinbusse
(Kinderexpress und Reduit)
- Leuchtstäbe
und Angelschnur (Nachtwanderung)
- Lebensmittel
- Teilnehmerliste
- Fackel,
Terpentin, Sporen (Feuerspucken)
- Kassettenrecorder
und Musik (Wecken/ Vivaldi, Traumreise)
- FlipChart
und Papier
- Taschenlampen
- Vorlesegeschichte
(Orla, der Froschfresser)
- Grabkerzen
(Nachtwanderung)
- Kerzen
(Athmosphäre)
- ISO-Matten
- Igel -
Bälle (Massage)
- abschließbare
Kasse (für Geld, Handys, Taschenmesser)
- Messer
- Landkarte
der Gegend
- Digitalkamera,
Anschlusskabel und TV vor Ort
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